Für die sichere Sonnenbeobachtung gibt es unterschiedliche Methoden:
Bei der Sonnenprojektion wird die Sonne auf eine weiße Fläche
projiziert. Mehrere Personen können so gleichzeitig die Sonne beobachten,
was sich vor allem bei Führungen in Sternwarten bewährt hat.
Wer gerne die Position der Sonnenflecken auf einer vorgefertigten Schablone
auftragen möchte, kann auf der Projektionsfläche die entsprechende
Schablone befestigen und mit einem Stift die Oberflächeneinzelheiten
schnell festhalten. Für die Fotografie der Sonne ist diese Methode
allerdings weniger gut geeignet. Hier sollte die Kamera direkt an das Fernrohr
angeschlossen werden, was allerdings einen Objektivsonnenfilter oder einen
Herschelkeil zur Lichtdämmung unbedingt erfordert.
im Laufe der Jahre habe ich mir verschiedene Sonnenfilter angeschafft,
die ich hier im Einzelnen vorstelle:
100mm-Glassonnenfilter von Wolfgang Lille aus Stade
Wolfgang Lille bietet seit Jahren 100mm-Sonnenfilter aus Glas an. Die Glasfilter stammen von einem russischen 100mm/1000mm-Maksutov Teleskop (auch bekannt unter dem Namen "Russentonne"), und besitzen eine Filterfassung aus Aluminium und ein M110x1 Filtergewinde für den Anschluß an besagtes Teleskop. Besitzer anderer Fernrohre müssen sich einen stabilen Anschlußadapter zur Befestigung des Glasfilters basteln. Die Filter sind in verschiedenen Färbungen wie zum Beispiel weiß und grün erhältlich. Je nach Glasfarbe ist für die visuelle Beobachtung ein weiterer Neutralfilter (Graufilter) erforderlich, beim weißen Sonnenfilter ein 64x-Graufilter und beim grünen Sonnenfilter ein 8x-Gaufilter. Die Neutralfilter werden auch direkt von Wolfgang Lille mit M28-Filtergewinde für 1,25"-Okulare angeboten.
Sonne am 24.6.2001
Zeiss Telementor, 63mm Öffnung, 840mm Brennweite. Mit einem 2x-Konverter
von Pentax wurde die Brennweite auf 1680mm verlängert. Verwendet wurden
ein weißer Glassonnenfilter von Wolfgang Lille und ein 8x Graufilter
von B&W-Optik Kreuznach. Agfachrome 200, 1/250s Belichtungszeit.
Ausschnittsvergrößerung von obiger Aufnahme.
Der Sonnenfilter bildet die Sonne sehr kontrastreich in einem angenehmen
gelb-grauen Farbton ab. Trotz des Einsatzes von zwei Glasfiltern kann die
Schärfe als sehr gut bezeichnet werden. Bei der visuellen Beobachtung
ist ein 64x Neutralfilter für eine angenehme Beobachtung erforderlich.
In der Fotografie hat sich ein 8x Graufilter sehr bewährt, die Lichtmenge
reicht aus für kurze Belichtungszeiten und ermöglicht noch eine
blendungsfreie Fokussierung. Bei Okularprojektion wird für kurze Belichtungszeiten
keine zusätzliche Lichtdämmung benötigt.
Filterfolie "Astrosolar" von Baader-Planetarium aus Mammendorf
Die Firma Baader-Planetarium bietet eine mit Aluminium bedampfte Sonnenfilterfolie an. Für den visuellen und den fotografischen Einsatz gibt es zwei verschiedene Versionen mit unterschiedlicher Lichtdämmung. Die visuelle Folie hat ein dunkleres Abbild zur blendfreien Beobachtung und entsprechend langen Belichtungszeiten, die fotografische Folie erfordert zur bequemen Beobachtung zusätzliche Neutralglasfilter, die ins Okular geschraubt werden können, dafür sind die Belichtungszeiten aber entsprechend kurz. Der Vorteil der Folie liegt klar auf der Hand: Mit ein wenig bastlerischen Geschick kann jeder sich selbst eine entsprechende Filterfassung für das eigene Teleskop selber bauen - entsprechende Vorschläge liegen dem Filter in der Bedienungsanleitung bei.
Sonne am 24.6.2001
Zeiss Telementor, 63mm Öffnung, 840mm Brennweite. Mit einem 2x-Konverter
von Pentax wurde die Brennweite auf 1680mm verlängert. Verwendet wurde
die Filterfolie "Astrosolar visuell" von Baader-Planetarium. Agfachrome
200, 1/250s Belichtungszeit.
Ausschnittsvergrößerung von obiger Aufnahme.
Auf der ATT 2000 in Essen habe ich mich für den Kauf der visuellen
Folie entschieden. Der Bau einer Objektivfassung war an einem Nachmittag
gemacht, und los ging es mit der visuellen Beobachtung, zu der kein weiterer
Neutralglasfilter erforderlich ist. Bei der ersten Beobachtung fiel sofort
ein leichter kühl-blauer Farbstich der Sonne auf, der mich allerdings
nicht sehr störte. Schärfe und Kontrast bezeichne ich als recht
gut. Bei der Fotografie störte dann doch der blaue Farbstich, die
Dias sind für Vorträge weniger geeignet, da eine blaue Sonne
für das Publikum nicht sehr real wirkt.
Fazit
Der Einsatz des Glasfilters von Wolfgang Lille beschränkt sich
im wesentlichen auf die 100/1000 Maksutov-Teleskope, Besitzer einer anderen
Optik müssen sich selbst einen Anschlußadapter basteln. Die
Filterfolie von Baader-Planetarium kann schnell mit einfachen Hilfsmitteln
an das eigene Teleskop angeschlossen werden, verschiedene Konstruktionsvorschläge
liegen der Bedienungsanleitung bei. Dies macht die Filterfolie vor allem
für Bastler ohne eigener Werkstatt besonders interessant. Die Abbildungsqualität
(siehe jeweils die Ausschnittsvergrößerung) bezüglich Schärfe
und Kontrast des Glasfilters von Wolfgang Lille ist meiner Meinung nach
der Filterfolie etwas überlegen.
Literatur
"A New Standard in Solar Filters"; Sky and Telescope; September 2000;
Seiten 63/64
Anmerkung: Alle hier gezeigten Aufnahmen sind vollkommen unbearbeitet.
Die Fotos wurden mit einem 2x-Fotokonverter erstellt, die visuelle Beobachtung
erfolgte ebenfalls mit dem 63mm/840mm Refraktor (Zeiss Telementor) und
10,4mm- und 7mm-Pentax Okularen.
Der Name "Astrosolar" ist ein Markenname der Firma Baader-Planetarium
Mammendorf.