Irgendwann stand für mich die Anschaffung einer vernünftigen
Montierung an. Als Astrofotograf hatte ich allerdings recht hohe Anforderungen
an Stabilität und Schwingungsverhalten. Mein 152/797mm-Newton bringt
schon ein sattes Eigengewicht von etwa 8kg auf die Waage, dazu kommt noch
ein Leitrohr mit Autoguider, und natürlich eine Spiegelreflexkamera
oder eine CCD-Kamera für die eigentliche Astrofotografie. Zusammen
muß die Montierung also eine Zuladung von etwa 25kg aushalten, zusätzlich
sollten auch noch gewisse Reserven da sein, daß nicht beim kleinsten
Windstoß alles ins Schwanken kommt.
Montierungszustand von 1998 bis 2003
Käufliche Montierungen, die diesen Anforderungen standhalten, haben
schon den Preis eines gebrauchten Kleinwagens (keine Schrottkiste!). Daher
stand für mich sehr früh fest, die entsprechende Montierung selbst
zu bauen. Zusammen mit einem guten Bekannten (danke Franz-Josef) schaffte
ich es innerhalb von einem Jahr, eine Montierung aus Bauteilen eines Hochofens
(Rektaszensionsgetriebe), eines Wasserventils (Deklinationsgehäuse)
und sonstigen Schrottstücken zu basteln. Lediglich Teilkreise, Polsucher
und später die Motoren wurden bei Vehrenberg/Meerbusch gekauft.Pünktlich
zum Kometen Hale-Bopp wurde die Montierung zum Jahresende 1996 fertig.
Nach dem Umbau 2004
Die Rektaszensionsachse wird von zwei Schnecken angetrieben, die Deklinationsachse
verfügt über einen Tangentialarm mit sehr wenig Spiel (eine Bügelmeßschraube
mußte 'dran glauben). Nach Fertigstellung der mechanischen Komponenten
ging das Abenteuer "Elektronik" los. Zuerst wurde die Montierung in der
Rektaszension mit einem 230-Volt (!) Synchromotor angetrieben, die Deklination
konnte nur von Hand verstellt werden. Schnell wurden mir die 230V unangenehm,
also wurde ein 24V-Synchromotor eingebaut. Dabei hatte ich mit der Elektronik
so meine Probleme (wie bekomme ich aus 12V-Gleichspannung 24V-Wechselspannung?),
vor allem die Leistungstransistoren rauchten gerne ab. Eine Zwischenlösung
war der Einsatz des Hifi-Verstärkers TDA2004. Zusammen mit einem weiteren
Bekannten (danke Reinhard) machte ich mich an den Bau einer Schrittmotorsteuerung
für beide Achsen mit Autoguidereingang für die SBIG ST4. Die
Motoren entstammen einer Vixen Great-Polaris Montierung und wurden während
einer größeren Umbauaktion eingebaut.
Nach dem Umbau 2004
Nach etwa sieben Jahren kristallisierten sich noch einige Verbesserungsmöglichkeiten heraus. So wurde die Montierung 2003 durch eine neue Rutschkupplung in der Rektaszension ergänzt. Ein weiterer Schwachpunkt war der ungünstige Kraftweg durch den Polblock, der dann im Frühjahr 2004 komplett ersetzt wurde. Im Sommer 2004 werden während der kurzen Nächte die neuen Aluteile lackiert, damit die Montierung auch farblich nicht mehr so nach Baustelle aussieht.
Die Montierung ruht auf einem schweren Stativ und arbeitet seit 1996
sehr zufriedenstellend. Viele der in der Fotogalerie gezeigten Aufnahmen
wurden mit dieser Montierung fotografiert.