Die CCD Astrokamera für den Amateur

Hans-Ruedi Wernli, 1995
238 Seiten, durchgehend s/w mit einigen Graphiken und Bildern
ISBN 3-7643-5218-3
Birkhäuser Verlag
25,00 Euro (2003)

Ende der achtziger Jahre hielten die ersten CCD-Kameras Einzug in die bisher durch Filmemulsion dominierte Astrofotografie  der Amateurastronomen. Die hohe Empfindlichkeit des CCD-Sensors und die sofortige Verfügbarkeit der Bilder auf dem PC waren die entscheidenden Pluspunkte im Vergleich zur Filmemulsion. Die meisten Kamerahersteller befinden sich im englischsprachigen Raum, und entsprechend war die Literatur auch auf diese Sprache fixiert. Diese Lücke schloß 1995 Hans-Ruedi Wernli und veröffentlichte das bis heute (2003) einzige deutschsprachige Buch rund um die CCD-Technik.

Wernli richtet die Themenauswahl vor allem auf den Einsteiger in die CCD-Astrofotografie aus. Dabei betrachtet er neben der CCD-Kamera auch das Umfeld und geht auf den Aufbau des Computers und die Grundlagen der Bildverarbeitung ein.

Zu Beginn wird die Funktionsweise der CCD-Kamera erläutert. Bei der Belichtung eines Himmelsobjektes werden neben dem Objekt auch noch Störungen wie Rauschen und Randabschattung des Teleskops mit aufgenommen. Wo liegen die Ursachen davon und wie können sie wirkungsvoll gemindert werden? Auf solche Fragen gibt das Buch kurze und präzise Antworten, wobei sich sporadisch auch Fehler eingeschlichen haben. So sollte entgegen Wernlis Hinweis die Kamera vor der Aufnahme des Flats unbedingt fokussiert sein.

Über das die Computertechnik behandelnde Kapitel ist meiner Meinung nach die rasante Entwicklung im PC-Markt drüber hinweg gerannt und dürfte aus heutiger Sicht nicht mehr von Interesse sein. Der Aufbau eines Computers der damaligen Zeit (486er) und die Dateistruktur von DOS werden kurz vorgestellt.

Für den Anwender interessanter ist dafür das Kapitel über Bildverarbeitung. Neben der einfachen Bildanalyse durch unterschiedliche Darstellungsmöglichkeiten des Bildes wie unter anderem mit Histogrammen beschreibt der Autor die Grundlagen der Bildverarbeitung. Durch die Anpassung von Helligkeit und Kontrast können bestimmte Helligkeitsbereiche der Aufnahme hervorgehoben oder gemindert werden. Zusätzlich werden meistens weitere Filter zur Bildschärfungen oder Reduzierung des Rauschens benutzt. Für den engagierten Programmierer werden die Bildformate einiger ausgewählter CCD-Kameras und Bildverarbeitungsprogramme ausführlich vorgestellt. Trotz des Buchalters finden noch heute einige der Bildformate ihre Anwendung.

Dem Autor Wernli ist es zu verdanken, daß es überhaupt ein deutschsprachiges Buch zum Thema CCD gibt. Leider ging er in einigen Kapiteln des Buches sehr intensiv auf Themen ein, die bereits nach wenigen Jahren überholt waren. Bei der Bildverarbeitung werden die Grundlagen nur oberflächlich angekratzt. Einem Einsteiger in die CCD-Astrofotografie könnte dieses Buch zu Beginn von Nutzen sein, um eine Idee zu erhalten, wie die Kamera funktioniert und wie die ersten Bildbearbeitungsschritte aussehen könnten. Möchte er intensiver in die Materie einsteigen, dürfte er bereits nach kurzer Zeit mit englischsprachiger Literatur besser bedient sein.
 

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