Astrofotografie für Einsteiger

Klaus-Peter Schröder, 2000
67 Seiten, durchgehend farbig mit vielen Graphiken und Bildern
ISBN 3-440-08439-6
Kosmos Verlag
12,90 Euro (2003)

Bücher zur Astrofotografie gibt es viele. Sucht der Interessierte jedoch eine kurze und präzise Anleitung für den Einstieg in die Astrofotografie ohne ausschweifende Abhandlungen zu physikalischen Hintergründen wird die Auswahl sehr klein. Bis vor einigen Jahren gab es für diesen Bereich das Standardwert „Kosmos-Handbuch Astrofotografie“ von Wolfgang Schwinge, welches leider nicht mehr gedruckt wird. Die entstandene Lücke füllte im Jahr 2000 Klaus-Peter Schröder mit dem Buch „Astrofotografie für Einsteiger“. Das Buch ist entsprechend der Schwierigkeitsgrade in der Astrofotografie aufgeteilt und behandelt die Bereiche von der Fotografie auf einem Stativ über Planeten- bis hin zur Deep-Sky-Fotografie.

Unabdingbar für die Astrofotografie ist eine geeignete Kamera. Vor allem der Gebrauchtmarkt bietet eine breite Angebotspalette von Spiegelreflexkameras. Bei der Astrofotografie werden jedoch im Gegensatz zur „normalen“ Fotografie andere Anforderungen gestellt. So können Autofokussysteme am Teleskop nicht eingesetzt werden, und manch moderne elektronische Kamera entpuppte sich bei Langzeitbelichtungen als Stromschlucker. So finden in der Astrofotografie vor allem ältere rein mechanisch arbeitende Spiegelreflexkameras Anwendung. Einige Kameras können durch eine austauschbare Mattscheibe oder eine zusätzliche Sucherlupe für den Einsatz am Teleskop optimiert werden. Der Autor gibt Tips, worauf bei der Wahl der richtigen Kameraausrüstung geachtet werden sollte.

Der Einstieg in die Astrofotografie ist schnell gemacht. Dazu werden neben einer Kamera noch ein Fotostativ und ein mittelempfindlicher Film mit 400ASA benötigt. Bereits damit lassen sich ästhetische Aufnahmen vom Sonnenuntergang bis hin zur Fotografie von Sternbildern oder der Milchstraße anfertigen. Dabei wird der Leser in einer Art Leitfaden an die Hand genommen. Es werden verschiedene Sternbilder mit Angaben zur Objektiv- und Blendenwahl vorgestellt, die entsprechend des Abstandes zum Himmelspol unterschiedlich lang belichtet werden. Somit ist nahezu garantiert, daß der Fotograf direkt auf dem ersten Film einige gelungene Aufnahmen hat, die zu höheren Zielen anspornen. Dabei erhält der Leser auch ein Gefühl für die Bewegungsgeschwindigkeit der Himmelsobjekte, und daß bei länger belichteten Aufnahmen ein Ausgleich der Erdrotation erfolgen muß.

Mit Hilfe einer Montierung und einer Nachführung können längere Belichtungszeiten genutzt werden. Entsprechend hat der Fotograf mehr Freiheiten bei der Wahl eines geeigneten Filmmaterials oder er kann die Optik zur Reduzieren von Abbildungsfehlern etwas abblenden. Jedoch hat nicht jeder Sternfreund die Möglichkeit, eine Fernrohrmontierung zu benutzen. Klaus-Peter Schröder stellt in einer bebilderten Bauanleitung eine als „Astrofrust“ bezeichnete Montierung vor, die mit ein wenig bastlerischem Geschick und Bauteilen aus dem Baumarkt leicht und schnell nachgebaut werden kann. Mit dieser Montierung sollen mit einem 50mm-Objektiv nachgeführte Aufnahmen mit einer Belichtungszeit von bis zu zehn Minuten machbar sein, was leider nicht durch entsprechende Aufnahmen belegt wird.

Wunsch vieler Astrofotografen ist die Fotografie durch das Fernrohr. Hierbei dient das Teleskop als langbrennweitiges Objektiv. Bereits ohne hundertprozentige Nachführung können so Sonne und Mond fotografiert werden, wobei intensiv auf die Gefahren der Sonnenbeobachtung und deren Fotografie eingegangen wird. Anspruchsvoller wird es bei der Planetenfotografie. Besonders interessant ist die Fotografie lichtschwacher Deep-Sky-Objekte mit entsprechend langen Belichtungszeiten. Die Genauigkeit der meisten Montierungen ist dafür nicht ausreichend, weshalb während der Aufnahme die Nachführgenauigkeit kontrolliert werden muß, um bei einer Abweichung gegensteuern zu können. Der Autor vergleicht die gängigen Nachführmethoden mit Off-Axis-Guider und Leitrohr und weist auf die jeweiligen Vor- und Nachteile hin.

Den Abschluß des Buches bildet ein Ausblick auf die Digitaltechnik, die immer weiter Einzug in die Astrofotografie hält. Die Funktionsweise einer CCD-Kamera und Vergleiche zur herkömmlichen Filmemulsion werden vorgestellt. Inzwischen scannen auch immer mehr Astrofotografen ihre Aufnahmen ein, um sie dann im PC zu verarbeiten. Die Möglichkeiten der Bildverarbeitung belegt der Autor eindrucksvoll durch einige Bilder.

Der „Astro-Praxis“-Buchreihe vom Kosmos-Verlag wird dieses Buch vollkommen gerecht. Mit Schritt-für-Schritt Anleitungen wird der Leser schnell zu Erfolgserlebnissen geführt, wobei in lockerer Schreibweise auch das nötige Hintergrundwissen vermittelt wird. Die behandelten Themen werden durch viele Farbfotos ergänzt, wobei ich bei einigen Abbildungen Angaben zum verwendeten Filmmaterial und dem Standort vermisse. Zusätzliche weniger gut gelungene Aufnahmen mit Abbildungsfehlern wie Randabschattung und Erklärungen zur Ursache könnten den Leser bei der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten der eigenen Aufnahmetechnik unterstützen. In zahlreichen Extrakästchen werden Tips zur Vermeidung von Fehlern gegeben, die klar zeigen, daß dieses Buch von einem Praktiker geschrieben wurde, der über einen längeren Zeitraum Erfahrungen in der Astrofotografie gesammelt haben muß.
 

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