Radioteleskop Effelsberg

Am 13. Mai 2001 feierte das Radioteleskop Effelsberg sein dreißigjähriges Bestehen und veranstaltete aus diesem Grund einen Tag der offenen Tür mit der Möglichkeit, das Teleskop zu besteigen und das Kontrollzentrum zu besichtigen. Hier einige Impressionen von diesem sonnigen Tag.
Durch Anklicken der kleinen Bilder können Sie die Bilder auch mit einer höheren Auflösung betrachten.
 
 
  Um möglichst wenig Wind und störende Radiostrahlung abzubekommen, wurde das Radioteleskop 1968-1971 in einem Eifeltal nahe der Stadt Effelsberg errichtet. (Blick vom Besucherparkplatz aus)
Technik trifft Natur (Teil 1). Trotz des futuristischen Aussehens paßt sich das Radioteleskop gut in das Landschaftsbild ein. (Blick von der Zufahrt zum Kontrollzentrum)
Vom Talgrund her betrachtet sind 100m Antennendurchmesser doch schon sehr viel. Die Oberfläche der Parabolschüssel beträgt etwa 7850 m². Bei Windbelastung entstehen elastische Verformungen der Stahlmontierung von einigen Zentimetern, durch eine geschickte Lagerung der Radioantenne beträgt die maximale Abweichung von der idealen Parabolform nur maximal 0,5 Millimeter.
Die große Parabolantenne selbst ruht auf einer Kippache (Elevationsache), die an den beiden Enden innerhalb der weißen Würfel gelagert sind. Die Elevationsachse wird durch einen Zahnkranz an dem Kreisbogen angetrieben.
Blick von der Besucherterasse aus, die immer für das Publikum geöffnet ist. Näher kommt man sonst nicht an das Radioteleskop heran. Das Gesamtgewicht der Konstruktion (Parabolantenne und Montierung) beträgt 3200 Tonnen.
Erst am Fuße des Teleskopes werden einem die riesigen Dimensionen deutlich. Am Tag der offen Tür bestand auch die Möglichkeit, die 23m hohe Plattform der Teleskopmontierung zu besteigen, wo sich die Antriebsmotoren der Elevationsachse befinden.
Die komplette Montierung ruht auf einem 64m durchmessenden Schienenkranz, der eine Genauigkeit von +/- 0,25mm aufweist. Unter der Montierung befinden sich motorgetriebene Räder, mit denen das Teleskop gedreht werden kann (Azimut-Achse). Die 16 10,2kW-Drehmotoren erreichen dabei eine maximale Drehgeschwindigkeit von 32°/Minute.
Die Elevationsachse (siehe weiter oben) ist jeweils an den beiden Enden in einer weißen Blechkiste gelagert. Die aufkommenden Lagerkräfte werden durch je drei Stützen weiter nach unten abgeführt. In den beiden mittleren Stützen befindet sich je ein Lastaufzug, um Ersatzteile und Meßgeräte nach oben befördern zu können.
Von unten aus betrachtet könnte die Blechkiste aber auch ursprünglich als Outhouse konzipiert gewesen sein. Neben der Lagerung befindet sich in einer der beiden Blechkisten auch der Winkelencoder zur genauen Bestimmung der Teleskopposition. Von der Lagerung aus besteht über die Elevationsachse die Möglichkeit, zur Sekundärfokuskabine zu gelangen, um Meßgeräte auszutauschen.
Um die Parabolantenne kippen zu können, befindet sich an einem Kreisbogensegment ein motorisch angetriebener Zahnkranz. Das Teleskop kann so von 7° bis 94° über den Horizont gekippt werden. Kombiniert mit der Drehbewegung der Azimutachse ist so jeder Punkt am Himmel erreichbar.
Mit vier 17,5kW-Kippmotoren (zwei sind auf dem Foto sichtbar, hinter den Menschen auf der linken Seite verbergen sich nochmals zwei Stück) wird die Elevationsachse angetrieben und ermöglichen eine maximale Kippgeschwindigkeit von 16°/Minute.
Am Ende des Kippkranzens befindet sich das mit Beton gefüllte Gegengewicht der Parabolantenne. Das Gegengewicht ist zur Vermeidung von Drehmomenten innerhalb der Montierung erforderlich. Nach Aussage eines Mitarbeiters ist das Gleichgewicht nach dem Austausche der Paneele in der Parabolantenne (Eisen-Paneele wurden durch Aluminiumpaneele ersetzt) nicht mehr vorhanden, in Zukunft muß also das Gegengewicht mittels Preßlufthammer etwas erleichtert werden.
Blick durch die Parabolantenne in Richtung Sonne. Die Oberfläche der Antenneninnenseite wurde mit einer Spezialfarbe mit Kalkpartikeln lackiert. Die Kalkanteile bewirken eine Streuung des Sonnenlichtes, um Hitzeschäden an Bauteilen zu vermeiden. Die für die Messungen interessanten Wellenlängen werden von der Farbe nicht beeinflußt und zur Primärfokuskabine reflektiert.
In der Mitte der Parabolschüssel befindet sich die Sekundärfokuskabine, wo die gesammelte Radiostrahlung in einem Brennpunkt konzentriert wird. Meßgeräten messen dort die Strahlungsintensität und leiten die Daten weiter zum Kontrollzentrum.
Technik trifft Natur (Teil 2). Hinter einem der Aluminiumpaneele der Parabolantenne lebt der einzige Bewohner des Radioteleskopes seit einigen Jahren. Laut Aussage eines Mitarbeiters hat der Kauz hier auch schon gebrühtet. Wegen der ständigen Kippbewegung der Parabolantenne baut der Vogel die Nester in einer länglichen Form, um die Kippbewegung ausgleichen zu können.
Durch den sogenannten "Königszapfen" genau in der Mitte der Teleskopmontierung werden die Meß- und Steuerkabel vom Teleskop in den Keller weitergeleitet.
Däm König singe Zapfen von unten. Neben den vielen Meß- und Steuerkabeln befindet sich hier auch der Winkelencoder zur Positionierung des Teleskopes im Azimut mit einer Positioniergenauigkeit von 0,05 Bogensekunden. Die Drehbewegung des Radioteleskopes ist durch die durchgehenden Kabelstränge auf 480° beschränkt.
Der grüne Pfeil zeigt übrigens nicht die Drehrichtung des Teleskopes an, sondern wo der Notausgang ist.
Blick von Radioteleskop auf das Kontrollzentrum. Der Meßbetrieb begann im August 1972. Der genutzte Meßbereich liegt zwischen 3,5mm- und 90cm-Wellenlänge.
Von diesem Kontrollstand aus wird die Bewegung des Teleskopes gesteuert. In dem rechten Nachbarraum (hinter der Glasscheibe) wird das analoge Signal der im Radioteleskop eingebauten Meßgeräte digitalisiert, im linken Nachbarraum (nicht im Bild) werden die Signale auf Bändern abgespeichert und zum Teil sofort analysiert.
Blick von Steuerstand aus zum Teleskop. Wegen der großen Fensterflächen muß der Raum klimatisiert werden, damit die Elektronik möglichst kaum durch Temperaturunterschiede beeinflußt wird.

Homepage des Max-Plank-Institutes für Radioastronomie: http://www.mpifr-bonn.de/public
 

Zur Startseite von http://www.astrofoto.net

WEBCounter by GOWEB