Troubleshooting in der Astrofotografie

In der Astrofotografie können unbeabsichtigt viele Fehler gemacht werden, die beim Betrachten des Bildes oftmals die Freude mindern. Meist lassen sich aber die Fehler durch die Beachtung von Kleinigkeiten beheben. Auf dieser Seite präsentiere ich einige von meinen mißratenen Astrofotos mit möglichen Lösungsvorschlägen in der Hoffnung, daß Ihnen diese Fehler nicht mehr passieren.

Bisher vorhanden sind folgende Themen:


 

Farbfehler (Chromatische Aberration)


 
Beschreibung: Farbsäume um helle Sterne
Ursache: Ein Farbfehler tritt bei Linsen wegen der unterschiedlich starken Lichtbrechung verschiedener Farben auf. Refraktoren sind meistens für die visuelle Beobachtung und nicht für die Astrofotografie geeignet. Die Augen sind nachts sehr blauunempfindlich, weshalb oft auf eine Korrektur des Blauanteils verzichtet wird, der allerdings bei der Fotografie mitbelichtet wird.
Lösungsvorschlag:  Abhilfe schafft eine bessere Korrektur der Optik (zusätzliche Linsen = teuer) oder die Reduzierung des Blauanteils des Lichtes.
Blaues Licht kann mit einem Gelbfilter verringert werden, wodurch aber ein Farbstich in der Aufnahme entsteht. Ein weiterer Nachteil dieser Methode ist, daß viele Objekte (z.B. Galaxien) hauptsächlich im Blauen leuchten, und entsprechend dunkler auf dem Film abgebildet werden. Keine Erfahrungen habe ich zu Farbkorrekturlinsen, die in letzter Zeit für Linsenteleskope chinesischer Herkunft produziert werden.
Bilddaten: Orionnebel (M42/43), 400mm Brennweite, Blende 5,5, Agfachrome 1000 RS, 8 Minuten Belichtungszeit, Bild 3/6

 

Flugzeug


 
Beschreibung: Teilweise eine oder mehrere durchgehende Linien und in regelmäßigen Abständen helle "Sterne"
Ursache: Durchfliegendes Flugzeug mit beleuchteter Innenkabine (durchgehende Linie(n)) und Positionslampen (helle Sterne)
Lösungsvorschlag:  Hier kann nur die Belichtung durch ein kurzes Abdecken des Objektivs unterbrochen werden, solange sich das Flugzeug im Gesichtsfeld befindet. Es sollte also möglichst aufmerksam das Geschehen am Himmel verfolgt werden. Etwas Linderung schafft ein Beobachtungsplatz außerhalb der üblichen Flugrouten.
Bilddaten: Orionnebel (M42/43), 400mm Brennweite, Blende 5,5, Agfachrome 1000 RS, 2 Minuten Belichtungszeit, Bild 3/4

 

Halo


 
Beschreibung: Lichtkränze in Regenbogenfarben um sehr helle Objekte (hier Vollmond) herum.
Ursache: Lichtstreuung durch Eiskristalle in der Atmosphäre, oftmals mit Dunst oder leichtem Nebel in der Luft verbunden. Teilweise aber auch durch Pollenflug verursacht.
Lösungsvorschlag:  Besseres Wetter abwarten.
Bilddaten: Vollmond, 135mm Brennweite, Blende 2,8, Fujichrome 100, 5 Sekunden Belichtungszeit, Bild 45/12

 

Lichteinfall


 
Beschreibung: Helle Lichtflecken
Ursache: In der Nähe befindet sich eine Lichtquelle, die direkt oder indirekt (durch Reflexe in der Optik) auf den Film leuchtet.
Lösungsvorschlag:  Während der Belichtungszeit sollte sich keine Person vor dem Objektiv befinden und mit einer Lichtquelle hantieren. Weitere Möglichkeiten sind Lichteinfall durch ein vorbeifahrendes Auto, hier hilft eine kurze Unterbrechung der Belichtung durch Abdecken des Objektivs. Nicht zu unterschätzen sind auch helle Lichtquellen, die sich nicht im direkten Gesichtsfeld der Kamera befinden, aber über Lichtreflexe innerhalb des Objektivs (oder des Teleskops) auf dem Film abgebildet werden.
Bilddaten: Polsequenz, 35mm Brennweite, Blende 4, Fujichrome 100, 50 Minuten Belichtungszeit, Bild 52/12

 

Nachführung


 
Beschreibung: Objekte werden länglich abgebildet
Ursache: Die Erdrotation wird mit der Nachführung nur unzureichend ausgeglichen. Die Nachführgenauigkeit wird vor allem bei längeren Brennweiten zum Problem.
Lösungsvorschlag:  Bei langen fotografischen Brennweiten sollte die Nachführgenauigkeit der Montierung mit einem Fadenkreuzokular kontrolliert und ggf. korrigiert werden, was einen steuerbaren Motorantrieb zumindest in der Rektaszensionsache erfordert. Weniger arbeitsintensiv (aber auch ein bißchen teurer...) ist die Benutzung eines Autoguiders (z.B. SBIG ST4).
Bilddaten: Orionnebel (M42/43), 910mm Brennweite, Blende 11,4, Agfachrome 1000 RS, 5 Minuten Belichtungszeit, Bild 5/4

 

Spiegelschlag


 
Beschreibung: Objekt ist vorwiegend in einer Richtung in die Länge gezogen
Ursache: Kurz vor dem Öffnen des Kameraverschlusses klappt der Spiegel nach oben und verwackelt die Kamera in Klapprichtung.
Lösungsvorschlag:  Die einfachste Lösung besteht in der Benutzung einer Spiegelreflexkamera mit Spiegelvorauslösung (siehe Kameraliste im Fotokurs). Eine kostengünstigere Methode ist die sogenannte Hutmethode: Ein Hut wird vor die Teleskopöffnung gehalten, die Kamera wird mit einem Drahtauslöser für eine Dauerbelichtung ausgelöst, und für die Dauer der gewünschten Belichtung wird der Hut entfernt und die Belichtung durchgeführt. Diese Methode ist sehr zuverlässig für Belichtungszeiten länger als eine halbe Sekunde.
Außerdem sollten Teleskop, Montierung und Stativ auf Schwachstellen untersucht werden, denn durch einen stabilen Aufbau wirkt sich der Spiegelschlag geringer aus als bei einem wackeligen Gerät.
Bilddaten: Vollmond, 2000mm Brennweite, Blende 20, Fujichrome 100, Belichtungsautomatik, Bild 34/23

 

Taubeschlag


 
Beschreibung: teilweise von der Bildmitte ausgehender aufgehellter Bereich mit deutlich geringerer Grenzgröße und verminderter Schärfe.
Ursache: Auf dem Objektiv (oder auch Fangspiegel bei Newton-Teleskopen) befindet sich Tau.
Lösungsvorschlag:  Zwischen den Aufnahmen sollte kurz die Frontlinse auf Taubeschlag untersucht werden. Ist die Optik beschlagen, kann das Objektiv in einer Jackentasche schnell erwärmt und vom Tau befreit werden. Mit ein wenig bastlerischem Geschick kann eine kleine Taukappe aus Pappe oder gar eine Taukappen- bzw. Objektivheizung gebaut werden.
Bilddaten: Sternbild Stier, 50mm Brennweite, Blende 4, Scotchchrome 400, 20 Minuten Belichtungszeit, Bild 50/4

 

Verwacklungen durch Spiegelschlag und Verschluß


 
Beschreibung: Verzogene Bilder vor allem bei langen Brennweiten
Ursache: Durch die Bewegung des Klappspiegels und des Kameraverschlusses verwackelt das Bild.
Lösungsvorschlag:  Wie beim -> Spiegelschlag verwackelt die Aufnahme. Auch hier hilft nur die Hutmethode.
Bilddaten: Mars, Newton-Teleskop 250/1500, Okularprojektion mit einem 18mm orthoskopischen Okular, Agfachrome 1000 RS, 3 Sekunden Belichtungszeit, Bild 2/6

 
 

Verwacklungen durch Wind


 
Beschreibung: Verzogene Bilder vor allem bei langen Brennweiten
Ursache: Durch Wind während der Belichtungszeit verwackelt die Aufnahme.
Lösungsvorschlag:  Bei Wind gerät ein Teleskop schnell in leichte Schwingbewegungen, die nur mit einem stabilen Fernrohraufbau gemindert werden können. Prinzipiell läßt sich das Verwackeln durch Warten bis zur nächsten Windpause vermeiden.
Bilddaten: Jupiter mit drei Monden, Newton-Teleskop 250/1500, Okularprojektion mit einem 18mm orthoskopischen Okular, Agfachrome 1000 RS, 10 Sekunden Belichtungszeit, Bild 4/34

 

Vignettierung


 
Beschreibung: Die Bildmitte ist heller als in den Bildecken.
Ursache: Bei zu weit geöffneter Blende trifft mehr Licht auf die Bildmitte als auf die Bildecken.
Lösungsvorschlag:  Vignettierung läßt sich durch einfaches Abblenden deutlich reduzieren, weshalb ich mindestens um eine Blendenstufe abblende, in der Regel auf Blende 5,6. Nachteil des Abblendens ist natürlich eine Verlängerung der Belichtungszeit.
Bilddaten: Komet Hyakutake, 240mm Brennweite, Blende 4,5, Scotchchrome 800/3200P, 2 Minuten Belichtungszeit, Bild 18/21

 

Vignettierung durch Abblenden in Filmnähe


 
Beschreibung: Die Bildmitte ist heller als in den Bildecken.
Ursache: Das Licht wird zum Bildrand hin durch einen zu kleinen Fangspiegel oder durch eine zu geringe Öffnung eines Adapterringes in der Nähe der Kamera reduziert.
Lösungsvorschlag:  Bei einem Newton-Teleskop kann z.B. ein größerer Fangspiegel eingebaut werden. Wird ein Adapterring zum Anschluß der Kamera mit einer zu geringen Öffnung (z.B. Kameraanschlußadapter, der in den üblichen 31,75mm-Okularanschluß paßt) benutzt, hilft nur eine andere Wahl von Anschlußadaptern oder ein Umbau der Fokussiereinheit.
Bilddaten: Orionnebel (M42/43), 910mm Brennweite, Blende 11,4, Agfachrome 1000 RS, 5 Minuten Belichtungszeit, Bild 5/4

Einige gelungene Astrofotos finden Sie in der Bildergalerie unter Astrofotografie und CCD.
 

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