Anfang April 2000 lag über Deutschland ein äußerst stabiles Hochdruckgebiet, was in einem stressigen Beobachtungsmarathon enden sollte. Tagsüber fing ich mit Sonnenbeobachtung an. Auf der Sonnenoberfläche tummelten sich einige größere Sonnenflecken, teilweise sogar mit Lichtbrücken. Bei der Beobachtung war sonst nichts besonderes an Strukturen festzustellen.
63/840-Refraktor (Carl Zeiss Jena Telementor), Brennweite mit 2fach-Konverter
von Pentax auf 1680mm verlängert, AGFA Chrome Precisa 100, 1/250s
Belichtungszeit
Kurz nach Sonnenuntergang traten im Westen die schmale Mondsichel mit der aschgrauen Seite und die Planeten Saturn, Jupiter und Mars (von links nach rechts) deutlich hervor. Eine so klare Sicht nach Westen ist relativ selten, denn genau in dieser Richtung liegt in zwanzig Kilometern Entfernung Düsseldorf mit einer entsprechenden Horizontaufhellung.
50mm Objektiv, Blende 4, AGFA Chrome Precisa 100, 8s Belichtungszeit,
fotografiert mit stehender Kamera
Im weiteren Verlauf der Dämmerung baute ich meine Astroausrüstung im Garten auf und kühlte die CCD-Kamera langsam runter. Der große Wagen stand bereits nahe des Zenits, heute wollte ich das Galaxienpaar M81/M82 fotografieren.
Galaxie M81 im Sternbild Großer Bär, aufgenommen mit 152/797-Newton
und CB245-CCD-Kamera, 5 Aufnahmen mit je 4 Minuten Belichtungsdauer.
Also Galaxie mit einer Sternkarte im Sucherfernrohr aufsuchen, Probebelichtung machen, und schon war die Galaxie im Notebook zu sehen. Dann noch die Galaxie auf dem CCD-Chip zentrieren, den Autoguider einstellen - und los ging es mit einer Belichtungsserie. Ich startete den Timer meiner Armbanduhr, kontrollierte noch kurz die Nachführgenauigkeit und verschwand ins Haus. Kurz vor Belichtungsende ging ich dann wieder zum Teleskop, alles lief nach Plan. Nach Beendigung der Aufnahmeserie fertigte ich noch eine Serie von Dunkelbildern an. Währenddessen schwenkte ich das Fernrohr auf die Nachbargalaxie M82. Nach dem letzten Dunkelbild öffnete ich wieder das Teleskop und zentrierte die Galaxie auf die Mitte des CCD-Sensors. Aber irgendwie wurde der Himmelshintergrund immer heller und die Galaxie schwächer. Da wird doch wohl die Kühlung nicht wieder..? Der Temperaturfühler zeigte aber noch immer -39°C an, die Kühlung funktionierte also noch einwandfrei. Dann der Blick nach oben. Ein knallroter Himmel im Zenit!
50mm Objektiv, Blende 1,4, AGFA Chrome Precisa 100, 4s Belichtungszeit,
fotografiert mit stehender Kamera
Ich schaute nach Norden, dort war eindeutig die Intensität am höchsten. M82 war mir jetzt mehr als egal, schnell rein ins Haus, Spiegelreflexkamera und Stativ rausholen. Mein lichtstärkstes Objektiv hatte Blende 1,4, der Film leider nur 100ASA Empfindlichkeit. Alle höherempfindlichen Filme lagen in der Tiefkühltruhe.
50mm Objektiv, Blende 1,4, AGFA Chrome Precisa 100, 8s Belichtungszeit,
fotografiert mit stehender Kamera
Ich versuchte immer die Himmelsgegend mit der maximalen Polarlichtaktivität zu fotografieren. Besonders eindrucksvoll war ein immer heller werdendes Polarlicht genau im Westen bei Castor und Pollux im Sternbild Zwillinge, welches nach einigen Minuten wieder verschwand und nur noch einen leicht rot gefärbten Himmelshintergrund hinterließ.
50mm Objektiv, Blende 1,4, AGFA Chrome Precisa 100, 15s Belichtungszeit,
fotografiert mit stehender Kamera
Auch im Norden tauchten immer wieder helle Lichtflecken auf, teilweise sogar noch mit leicht grünlichen Lichtsäulen wie Skybeamer. Die Lichtsäulen verschwanden wieder recht schnell, während die roten Polarlichterscheinungen länger andauerten.
50mm Objektiv, Blende 1,4, AGFA Chrome Precisa 100, 8s Belichtungszeit,
fotografiert mit stehender Kamera
Um kurz vor drei Uhr morgens ebbte die Polarlichtaktivität stark ab. Übrig blieb nur noch ein dunkelroter Himmelshintergrund. Ich baute meine Ausrüstung ab und ging zufrieden ins Bett.
50mm Objektiv, Blende 1,4, AGFA Chrome Precisa 100, 15s Belichtungszeit,
fotografiert mit stehender Kamera
Nach der Beobachtung verfaßte ich noch folgende Mail für die Mailingliste der Aachener Sternwarte. In ihr kommt die Euphorie des Erlebten noch am ehesten durch:
Subject: Polarlicht bei Düsseldorf
Hallo Leute,
heute Vormittag (Freitag früh) um 1h20 MESZ wollte ich einige
CCD-Bilder der Galaxien im Großen Wagen machen, als auf einmal beim
Aufsuchen von M82 der Himmelshintergrund enorm anstieg und die Galaxie
wieder verschwand. Erst zweifelte ich an der Technik, dann ein Blick zum
Himmel. Er war feuerrot. Ich dachte, in der Nähe brennt ein Haus ab,
aber davon war nix sichtbar.
Der nördliche Himmelsteil, etwa die Linie Wega, Großer Wagen
bis runter zu den Zwillingen war in einem gleichmäßigen Rotton
eingetaucht. Immer wieder bildeten sich Strukturen wie bei einer leichten
Zirrenbewölkung, die wesentlich heller waren. Teilweise sah es von
der Struktur fast so aus, als ob am Horizont ein Skybeamer stand. In en
besonders hellen Gegenden ging der sonst hellrote Farbton in ein hellgrün
über. Dabei bauten sich diese Strukturen schnell auf und verschwanden
zum Teil bereits wieder nach einigen Sekunden bis Minuten.
Gelegentlich zogen auch grüne Linien wie Kondensstreifen von Flugzeugen
über den Himmel. Die ganze Zeit über schien das Helligkeitszentrum
am Horizont Richtung NNO zu sein. Gegen 2h00 MESZ ging die "Aktivität"
deutlich zurück, es blieb nur noch ein rötlicher Hintergrundschleicher
bei
Leier/Schwan/Großer Wagen. Gegen 2h30 MESZ bildeten sich wieder
einige Strukturen heraus, aber nicht mehr so hell und deutlich wie vorher.
Es war auch nirgendwo mehr der grünliche Farbton zu sehen. Um 2h45
MESZ war wieder nur noch der rote Hintergrundschleier übrig, ich habe
dann die Beobachtung beendet.
Am Anfang habe ich noch einige Fotos auf Film angefertigt, mal sehen,
was am Ende darauf sichtbar ist. Am Vortag (Donnerstag) habe ich noch die
Sonne beobachtet und fotografiert, es waren nur kleinere Fleckengruppen
sichtbar.
Nachtrag: Während des Sonnenfleckenmaximums 2000/2001 konnte ich in drei Nächten Polarlichter beobachten. Die Polarlichter am 6./7.4.2000 hatten rückblickend am wenigsten Strukturen aber die größte Intensität.
Weitere Astrofotos finden Sie in der Bildergalerie unter Astrofotografie
und CCD.