Planetenfotografie fängt bereits mit einer Spiegelreflexkamera
und einer Auswahl von Objektiven an. Damit kann beispielsweise sehr schön
die Eigenbewegung der Planeten vor dem Sternenhintergrund dokumentiert
werden. Fertigen Sie einige Tage später erneut eine Aufnahme der gleichen
Himmelsregion an, sehen Sie sehr schnell die unterschiedlichen Positionen
des Planeten. Schön wirken Astrofotos mit engen Begegnungen von Planeten
untereinander oder Planeten innerhalb markanter Sternbilder. Bei solch
geringen Brennweiten werden die Planeten allerdings punktförmig wie
Sterne abgebildet.
Sollen die Planeten flächig auf Film abgebildet werden, ist sehr
viel Brennweite erforderlich. Dies setzt ein Fernrohr auf einer stabilen
(!) Montierung mit Nachführung und einem guten Stativ (!) voraus.
Der größte Planet Jupiter hat zum Beispiel bei seiner Opposition
einen Durchmesser von „nur“ 46,8 Bogensekunden.
|
|
|
|
|
|
|
|
Der Durchmesser auf dem Film und die Brennweite werden in mm angegeben,
der Scheibchendurchmesser des Planeten in Bogensekunden. Mit der Formel
kann der Durchmesser des auf dem Film abgebildeten Planetenscheibchens
errechnet werden. Bei einem Fernrohr mit 2000mm Brennweite (zum Beispiel
Celestron C8) würde Jupiter lediglich mit einem Durchmesser von 0,45mm
abgebildet. Schnell wird klar, daß bei der Planetenfotografie etwa
mehr Brennweite erforderlich ist, um Oberflächenstrukturen abbilden
zu können. Erfahrungsgemäß beginnt der Spaß ab etwa
4000mm Brennweite.
Nur die wenigsten Fernrohre haben für die Planetenfotografie ausreichend
viel Brennweite, der Fotograf muß sie also entsprechend verlängern.
Mit einer Barlowlinse kann die Brennweite mit einen vorgegebenen Faktor
multipliziert werden (siehe Kapitel Mondfotografie).
Venus am 3.3.1996 um 20h29 MESZ
250mm/1500mm Newton-Teleskop, Okularprojektion mit einem 7mm orthoskopischen
Okular, Scotch Chrome 400, 1/2 Sekunde Belichtungszeit
Okularprojektion:
Möchten Sie die Brennweite des Fernrohrs stark verlängern
und reicht der Einsatz einer Barlowlinse nicht aus, gibt es noch die Möglichkeit
der Okularprojektion. Hinter das eingesetzte Okular wird die Kamera ohne
Objektiv befestigt, und der Planet wird auf die Filmemulsion projiziert.
Durch Vergrößern des Abstandes Okular-Kamera kann die Brennweite
des Gesamtsystems schnell auf einige Meter gesteigert werden.
Prinzip der Okularprojektion
Zum Einstellen des Abstandes können je nach Anschlußart von
Kamera und Fernrohr einfache Abstandsringe mit beidseitigem Gewinde oder
ein Balgenauszug eingesetzt werden. Ein Balgenauszug ermöglicht das
„Heranzoomen“ einer einzelnen Kraterregion, ist allerdings konstruktionsbedingt
immer etwas wackeliger als eine feste Schraubverbindung.
Das entsprechen Zubehör ist im Astrofachhandel erhältlich.
Beim Einsatz der Okularprojektion sollte auch beachtet werden, daß
sich beim Verändern der Brennweite auch das Öffnung/Brennweite
Verhältnis (also die Blende) rapide verschlechtert. Die Äquivalentbrennweite
kann mit folgender Formel ermittelt werden:
|
|
|
|
|
|
|
|
Dabei ist f_Äquivalent die Gesamtbrennweite des optischen Systems
(Äquivalentbrennweite), f_Objektiv die Objektivbrennweite in mm und
f_Okular die Okularbrennweite in mm.
Bei den meisten Okularen ist es nicht möglich, die genaue Position
des Brennpunktes zu ermitteln, weil sich dieser im Inneren des Okulars
befindet. Die einzige Möglichkeit ist dann das grobe Abschätzen
der Position der im Okular eingebauten Gesichtsfeldblende.
Jupiter mit vier Monden am 3.5.1995 um 4h45 MESZ
(v.l.n.r. Callisto, Jupiter, Io, Europa, Ganymed)
250mm/1500mm Newton-Teleskop, Okularprojektion mit einem 25mm orthoskopischen
Okular, Agfa Chrome 1000 RS, 4 Sekunden Belichtungszeit
Fokussierung, Filme und Belichtungszeiten:
Die Fokussierung bei der Planetenfotografie ist sehr schwierig. Schnittbildindikator
und Mikroprismenraster können nicht benutzt werden, es bleibt also
nur noch die Fokussierung über die Mattierung der Mattscheibe. Vor
allem bei der Okularprojektion muß sehr vorsichtig und genau fokussiert
werden, was eine gewisse Geduld erfordert. Bei Merkur und Venus kommt erschwerend
das meist schlechte Seeing in Horizontnähe dazu, generell gilt, daß
ein genaues Fokussieren nur in dem Moment möglich ist, wo das Planetenscheibchen
still steht. Die Planetenfotografie stellt also höchste Ansprüche
an die Luftruhe.
Durch das schlechte Öffnungs-Brennweite-Verhältnis vor allem
bei der Okularprojektion verlängert sich wieder die Belichtungszeit.
Niedrigempfindliche Filme sind daher meist nicht die richtige Wahl. Besser
geeignet sind mittelempfindliche Filme mit 200ASA bis 400ASA optimal geeignet.
Das Filmkorn ist noch nicht so grob, um Details zu überlappen, andererseits
halten sich die Belichtungszeiten noch in Grenzen. Hochempfindliche Filme
sollten wegen des groben Filmkorns nur bei wackeligen Montierungen eingesetzt
werden.
Bei der Belichtungszeit gilt Probieren über studieren. Das Planetenscheibchen
ist meist für einen sinnvollen Einsatz eines Belichtungsmessers viel
zu gering. Die einfachste und leider auch sehr materialintensive Methode
ist das Anfertigen einer Belichtungsserie. Dabei sollte unbedingt notiert
werden, bei welchem Abstand von Kamera zum Okular und mit welchen Okular
gearbeitet wird, um anschließend bei der nächsten Fotosession
Erfahrungswerte vorliegen.
Bei der eigentlichen Fotografie muß ähnlich der Mondfotografie
mit der Hutmethode gearbeitet werden, um ein Verwackeln durch das Auslösen
der Kamera zu vermeiden. Ebenfalls sehr wichtig ist aber auch das Abpassen
einer Phase mit sehr gutem Seeing, denn gerade bei der Planetenfotografie
zerstört das Seeing die meisten Details auf der Planetenoberfläche.
Saturn irgendwann 1994 (mein erstes Planetenfoto!)
250mm/1500mm Newton-Teleskop, Okularprojektion, Agfa Chrome 1000 RS,
sonst keine weiteren Angaben mehr verfügbar...
Anmerkungen:
Um ein paar gute Fotos zu erhalten, muß erfahrungsgemäß
ein kompletter Film gefüllt werden. Die meisten Bilder sind unter-
bzw. überbelichtet, oftmals werden Oberflächenstrukturen durch
das Seeing überdeckt.
In den letzten Jahren setzte sich daher die Planetenfotografie mit
Videokamera und Webcams durch. Es kann direkt auf einem Bildschirm die
optimale Belichtungszeit ermittelt werden, und durch die Menge der aufgenommenen
Bilder können anschließend die schärfsten Aufnahmen aussortiert
werden. Meiner Meinung nach sind die Erfolgsaussichten bei der digitalen
Planetenfotografie deutlich höher als bei der Fotografie mit Film.