Fernrohre:
Der Mond erscheint beim Auf- oder Untergang meistens sehr groß,
wird er jedoch mit einem Normalobjektiv fotografiert, kommt meistens eine
Enttäuschung: Auf dem Bild sieht er sehr klein aus, und von den Oberflächenstrukturen
werden nur noch die größten abgebildet. Der Mond hat eine Entfernung
von etwa 350.000km in Erdnähe bis etwa 400.000km in Erdferne. Im Mittel
beträgt seine Größe etwa 30 Bogenminuten, also nur einem
halben Grad Durchmesser. Daraus kann errechnet werden, daß der Mond
pro 1000mm Brennweite mit einem Durchmesser von etwa 9mm auf der Emulsionsschicht
abgebildet wird. Bei 200mm Teleobjektiv ist der Mond nur 1,8mm groß
auf dem Bild, bei 2 Metern Brennweite aber immerhin schon 18mm. Objektivbrennweiten
bis 2500mm können bei der Fotografie mit Kleinbildkameras genutzt
werden, bei mehr Brennweite wird der Mond durch das Kleinbildformat von
24x36mm am Rand abgeschnitten. Im wesentlichen kommt es bei der Mondfotografie
auf ausreichend Brennweite an, um Oberflächenstrukturen abbilden zu
können. Falls die Hauptoptik zu wenig Brennweite hat, kann beispielsweise
mit einer Barlowlinse oder einem Fotokonverter die Brennweite verlängert
werden.
Barlowlinse/Konverter:
Um kleinste Oberflächendetails ablichten zu können, ist oftmals
die Primärbrennweite der Fernrohroptik zu gering. Mit einer Barlowlinse
oder einem Fotokonverter kann die Brennweite bequem um einen bestimmten
Faktor verlängert werden.
Der Multiplikationsfaktor ist in der Regel auf dem Gehäuse abgedruckt.
Dabei verringert sich aber auch die Blende der Optik. Die neue Blende kann
einfach errechnet werden:
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Vorsicht ist bei der Qualität der Barlowlinse angebracht. Einfachste Barlowlinsen, die oft den „Kaufhausteleskopen“ beigefügt werden, enthalten nur einfachste Plastiklinsen, die die Abbildungsqualität stark mindert. Vorsicht ist auch bei sehr kurz bauenden Barlowlinsen um die 200DM geboten. Nach meinen Erfahrungen haben gute Barlowlinsen den Preis eines guten Weitwinkelokulars.
Okularprojektion:
Falls mit einer Barlowlinse die Brennweite noch zu gering ist, um zum
Beispiel einzelne Krater zu fotografieren, gibt es noch die Möglichkeit
der Okularprojektion, um die Brennweite deutlich zu verlängern. Auf
die Möglichkeiten und Funktionsweise der Okularprojektion wird im
Kapitel „Planetenfotografie“ näher eingegangen.
Belichtungszeiten:
Die Mond- und Sonnenfotografie sind die einzigen Bereiche der Astrofotografie,
wo ein in der Kamera eingebauter Belichtungsmesser die Arbeit ungemein
vereinfacht. Dabei darf die Belichtungsmessung nicht den dunklen Himmel
um den Mond herum berücksichtigen, wodurch Überbelichtungen entstehen
würden. In der Regel ist der Belichtungsmesser so eingestellt, daß
das Foto im mittleren Helligkeitsbereich belichtet wird. Bei der üblichen
Integralmessung wird die Helligkeit des kompletten Bildes gemessen, wobei
zum Mittelpunkt hin die Einzelmessungen stärker gewichtet werden.
Ist der Meßbereich größer als die vom Mond abgedeckte
Fläche auf der Filmebene, wird der dunkle Himmel um den Mond herum
mitgemessen. Dabei wird eine Belichtungszeit vorgeschlagen, die einen Mittelweg
findet, daß der Mond nicht überbelichtet und der Himmelshintergrund
nicht unterbelichtet wird. Die Folge ist allerdings, daß der pechschwarze
Himmelshintergrund zu sehr überbewertet wird und die Aufnahme überbelichtet
wird. Aus diesem Grund ist die Integralmessung für den schnellen Schnappschuß
nicht optimal.
Besser geeignet ist die Selektivmessung wegen des kleineren Meßbereiches
nahe der Bildmitte und der Nichtberücksichtigung der Umgebung. Je
nach Kamera bedeckt ab einer Brennweite von etwa 1500mm die Mondoberfläche
den Meßbereich komplett und führt zu keinerlei Verfälschungen.
Bereits ab etwa 500mm Brennweite kann auch die Spotmessung benutzt werden,
die den kleinsten Meßbereich zur Verfügung stellt. In gewisser
Weise ist aber ab etwa 2000mm Brennweite wieder Vorsicht geboten, denn
bei dem geringen Meßausschnitt kann es passieren, daß er ungewollt
auf ein dunkles Mondmeer oder einen hellen Bereich eingestellt wurde. Hier
muß ein wenig auf die Mondgegend geachtet werden, wo die Belichtungsmessung
durchgeführt wird. Unübertroffen ist allerdings die Spotmessung
vor allem bei einer schmalen Mondsichel, wo der mögliche Meßbereich
sehr klein ist.
Trotz einer möglicherweise sehr genauen Belichtungsmessung sollte
gerade beim Mond eine Serie von Aufnahmen mit verschiedenen Belichtungszeiten
angefertigt werden, um zumindest ein optimales Foto zu erhalten. Bei mir
hat sich eine Serie von fünf Aufnahmen bewährt, jeweils zwei
Belichtungsstufen länger bzw. kürzer als vom Belichtungsmesser
vorgegeben. Dabei stellt man schnell fest, daß zwischen dem angegebenen
Belichtungswert und dem optimalen Bild oft ein erheblicher Unterschied
bezüglich der Belichtungszeit existiert.
Wer immer mit der gleichen Kamera arbeitet, kann je nach Belichtungsmesser
und Mondphase einen Korrekturwert ermitteln, um den er länger oder
kürzer belichten muß, als vorgegeben. Eine weitere sehr grobe
Möglichkeit zur Bestimmung der Belichtungszeit ist unten stehende
Näherungsformel. Dabei werden allerdings einige wichtige Faktoren
nicht berücksichtigt wie zum Beispiel die Helligkeit des Mondes in
Abhängigkeit von der Entfernung zur Erde. Hierbei sollte also auf
jeden Fall eine größere Serie von Aufnahmen erstellt werden,
als Erfahrungswert würde ich hier die errechnete Belichtungszeit plus/minus
drei Belichtungsstufen vorschlagen, zusammen also sieben Bilder.
Belichtungszeiten beim Mond:
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Belichtungszeit in Sekunden
Filmempfindlichkeit in ASA
| Beobachtungsobjekt: | K-Wert: |
| schmale Mondsichel | 10 |
| Mond 4 bzw. 24 Tage alt | 20 |
| Erstes bzw. letztes Mondviertel | 40 |
| Mond 10 bzw. 18 Tage alt | 80 |
| Vollmond | 220 |
| Halbschattenfinsternis | 20 |
| Kernschattenfinsternis | 0,005 |
| „Aschgraues Licht“ | 0,01 |
Film:
Wegen der zur Verfügung stehenden Lichtmenge können normalempfindliche
und entsprechend feinkörnige Filme eingesetzt werden. Bewährt
haben sich hier die Diafilm Fujichrome 100 Sensia (100ASA), Kodak Elite
Chrome 200 (200ASA) und Kodak E200 (200ASA), als schwarz/weiß-Filme
haben sich Ilford Pan F 50 (50ASA) und Kodak TP2415 (je nach Entwicklung
50-200ASA) bewährt. Bei der Fotografie einer totalen Mondfinsternis
muß ein Kompromiß bezüglich der Helligkeiten und der daraus
resultierenden Belichtungszeiten bei der Halbschatten- und der Kernschattenfinsternis
eingegangen werden. Hier kann mit obiger Formel vorher errechnet werden,
mit welcher Filmempfindlichkeit die Belichtungszeiten während der
Halbschattenfinsternis und der Kernschattenfinsternis möglich sind
und gleichzeitig nicht zu lang werden (Seeing, Mondbewegung).
Partielle Phase während der Totalen Mondfinsternis am 4.4.1996
um 1h05 MESZ
100mm/1000mm Maksutov-Teleskop, Scotch Chrome 400, 1/15 Sekunde Belichtungszeit
Tips zur Mondfotografie:
Wegen der Helligkeit des Mondes und den daraus resultierenden kurzen
Belichtungszeiten bedarf es nicht unbedingt einer Montierung oder gar einer
Nachführung. Für den Einstieg eignen sich ein stabiles Fotostativ
und eine Spiegelreflexkamera mit Teleobjektiv. Bei der Verwendung eines
Teleskops mit entsprechender Brennweite und längeren Belichtungszeiten
zum Beispiel bei der Fotografie des aschgrauen Lichtes oder einer Mondfinsternis
muß die Optik nachgeführt werden.
Das Fokussieren gestaltet sich beim Mond relativ einfach, der oftmals
in der Kamera eingebaute Schnittbildindikator kann am Mondrand wunderbar
eingesetzt werden. Je nach eingesetztem Verfahren zur Bestimmung der Belichtungszeit
(Formel oder verschiedene Belichtungsmesser) empfiehlt sich das anfertigen
einer Belichtungsserie mit fünf oder sieben verschiedenen Belichtungszeiten
um die vorgegebene Belichtungszeit herum, um sicherzustellen, daß
mindestens eine Aufnahme optimal belichtet wurde. Bei schwierigen Belichtungsverhältnissen
wie aschgraues Licht oder verschiedene Phasen einer Mondfinsternis kann
die Serie noch erweitert werden.
Ein großes Problem bei der Mondfotografie ist der Spiegelschlag
der Kamera und dem daraus resultierenden Verwackeln der Aufnahme. Bei kurzen
Belichtungszeiten geringer als 1/4 Sekunde gibt es leider keine Alternative
zur „normalen“ Belichtung, in der Hoffnung, daß Stativ, Montierung
und Fernrohr ausreichend stabil sind. Bei längeren Belichtungszeiten
größer/gleich 1/2 Sekunde sollte die „Hutmethode“ benutzt werden.
Hierzu wird die Belichtungszeit der Kamera auf „B“ gestellt und die Teleskopöffnung
mit einem Hut oder einer schwarzen Pappscheibe zugehalten, damit kein Licht
in die Optik fällt. Anschließend wird die Belichtung gestartet,
und nach dem Ausschwingen des Systems für die Dauer der gewünschten
Belichtungszeit der Hut vor der Optik entfernt. Nach Ablauf der Belichtungszeit
wird der Hut wieder vor die Öffnung gehalten und die Belichtung beendet.
Mit dieser Methode können selbst auf wackeligen Montierungen verwacklungsfreie
Fotos angefertigt werden.