Einstieg in die Astrofotografie, Fernrohr als Objektiv
 

Das Fernrohr als Teleobjektiv:
Bisher wurde nur die Palette der „normalen“ Kameraobjektive vom Weitwinkel- bis zum Teleobjektiv genutzt. Schnell wird erkannt, daß sich die geringbrennweitigen Objektive hervorragend zur Fotografie von Sternbildern eignen, aber einzelne Objekte wie Sternhaufen, Galaxien oder gar der Mond nur sehr klein abgebildet werden. Warum sollte also nicht das teuer erworbene Fernrohr als langbrennweitiges Teleobjektiv genutzt werden? Mit mehr Brennweite können wir kleine Objekte auf dem Bild größer und mit mehr Details abbilden, nur steigen dabei auch die Anforderungen an Stativ, Montierung und Nachführung.


Das Fernrohr als Teleobjektiv

Im Gegensatz zu den üblichen Objektiven hat das Fernrohr keine Fokussiereinheit mit einer Markierung, wo auf „unendlich“ fokussiert ist, es muß direkt auf die Mattscheibe scharfgestellt werden. Ein weiterer Punkt ist die Arbeitsblende des Fernrohrs. Objektive haben einen Blendenring, wo die gewünschte Blendenstufe eingestellt werden kann, Fernrohre nutzen als Blende die Eintrittsöffnung, also den Linsen- oder Spiegeldurchmesser der Optik. Die Blende wird berechnet aus dem Verhältnis Öffnung/Brennweite. Eine Optik mit einer Eintrittsöffnung von 200mm und einer Brennweite von 2000mm hat das Verhältnis 200/2000, oder nach dem Kürzen 1/10. Die Arbeitsblende beträgt also zehn.


Andromedagalaxie (M31) mit Begleitgalaxien M32 und M110
152mm/797mm Newton-Teleskop, Blende 5,2, Scotch Chrome 800/3200P, entwickelt auf 3200ASA, Belichtungszeit 11 Minuten, Sauerland
 

Kameraanschluß:
An fast alle Fernrohre lassen sich Kameras befestigen, und viele Fernrohrhersteller legen den Teleskopen gleich ab Werk einen genormten Kameraanschlußadapter bei oder versehen den Okularauszug direkt mit einem üblichen Fotoanschluß. Der gängigste Anschluß ist das sogenannte T2-System, eine M42 Schraubgewinde mit der Steigung 0,75mm. Von diesem T2-Anschluß gibt es zu fast allen Kameras entsprechende Bajonett- oder Schraubadapter, die im Fernrohr- oder Fotohandel erhältlich sind. Größere Unterschiede gibt es allerdings bei den Fernrohrseitiges Anschlüssen. Manche Hersteller versehen den Okularauszug direkt mit einem T2-Gewinde, bei größeren Optiken kommen sogar noch größere Gewindedurchmesser vor, und bei den Billigherstellern muß man sich mit einem Steckadapter begnügen, der anstelle des Okulars in den Okularauszug reingesteckt wird. Wegen der Anschlußvielfalt wenden Sie sich auch am Besten an den Fernrohrverkäufer.
Eine stabile Verbindung Fernrohr-Kamera ist bei Langzeitbelichtungen äußerst wichtig. Falls während der Belichtung etwas in Bewegung kommen sollte, merken sie weder im Leitrohr noch bei einem Off-Axis-Guider eine Veränderung, und während der restlichen Belichtungszeit sind sie noch immer im Glauben, alles sei in Ordnung... Wegen der Stabilität sind Schraubanschlüsse entsprechenden Stecksystemen meisten überlegen.
Bei der Fotografie durch das Fernrohr können nur Spiegelreflexkamera genutzt werden! Die kleinen Sucherkameras nutzen zum Durchschauen eine zusätzliche Optik, die nicht mit dem Lichtweg der fotografischen Optik übereinstimmt. Es ist mit einer Sucherkamera kaum möglich, die gewünschten Deep-Sky-Objekte ins Gesichtsfeld zu bringen, eine genaue Fokussierung ist fast unmöglich oder nur sehr aufwendig zu realisieren.
 

Fokussierung:
Nachdem nun die Kamera am Fernrohr angeschlossen wurde, suchen manche vergeblich die „Unendlich-Markierung“ am Fokussiersystem. Wegen der vielen unterschiedlichen Kameraanschlußmöglichkeiten ist solch eine Markierung auch unsinnig. Die einfachste Art ist das manuelle Verstellen der Fokussierung, bis ein mittelheller Stern punktförmig auf der Mattscheibe abgebildet wird. Ist das abgeschlossen, wackeln Sie hinter dem Kameraeinblick ein wenig den Kopf hin und her, die Mattierung der Mattscheibe darf sich gegenüber des zu fokussierenden Sterns nicht bewegen. Zum Fokussieren sind mittelhelle Sterne am besten geeignet, zu helle Sterne wabern durch das Seeing immer ein wenig hin und her und erschweren die genaue Bestimmung des Brennpunktes. Je näher sie an den genauen Fokus gelangen, um so mehr schwächere Sterne werden auch im Gesichtsfeld sichtbar. Etwas genauer funktioniert das Fokussieren mit Hilfe einer nachvergrößernden Sucherlupe, die Mattscheibe wird etwas vergrößert, und unscharfe Sterne fallen schneller auf. Die Benutzung eines Winkelsuchers ohne Nachvergrößerung kann zu Schwierigkeiten führen, denn durch leichtes Verkippen des Winkelsuchers verändert sich dessen Brennpunkt, und die Sterne auf der Mattscheibe erscheinen plötzlich unscharf. Derartige nachvergrößernde Fokussierhilfen sollten spielfrei befestigt sein, um nicht durch eigene Ungenauigkeiten das Fokussieren zu erschweren. Durch die scharfen  Begrenzung und der punktförmigen Abbildung eignen sich Sterne besonders zum Scharfstellen, Deep-Sky-Objekte sehen meistens etwas verwaschen aus und erschweren das Fokussieren erheblich.


Kugelsternhaufen M13 im Sternbild Herkules
152mm/797mm Newton-Teleskop, Blende 5,2, Scotch Chrome 400, Belichtungszeit 10 Minuten, Gruiten bei Düsseldorf
 

Kontrolle der Nachführung:
Die teilweise erhebliche Brennweite bei der Astrofotografie durch das Fernrohr stellt natürlich auch wesentlich höhere Anforderungen an die Montierung und deren Nachführgenauigkeit. Beobachten wir einen Stern durch das Fernrohr mit einem Fadenkreuzokular, stellen wir fest, daß der Stern sich langsam aus der Mitte des Fadenkreuzes rausbewegt, vielleicht pendelt er auch langsam hin und her. Kurzum, nahezu keine Montierung garantiert eine perfekte Nachführung, und es bedarf der manuellen Korrektur, damit der Stern auf dem Foto auch immer die gleiche Filmstelle belichtet. Der Fotograf benötigt also während der Belichtung die Möglichkeit, einen Stern zu beobachten, den er durch manuelles Eingreifen in der Nachführgeschwindigkeit an einer Stelle behält. Er benötigt eine zusätzliche Optik auf der gleichen Montierung zur Beobachtung seines Leitsterns.
Dazu kann er beispielsweise ein zweites Fernrohr neben das bereits vorhandene für die Fotografie genutzte Teleskop befestigen. Als Okular wird ein spezielles Fadenkreuzokular eingesetzt, womit der Beobachter neben den Sternen auch noch ein möglichst beleuchtetes Fadenkreuzsystem sieht. Der Stern wird an einer markanten Stelle des Fadenkreuzes eingestellt, und durch den Referenzpunkt wird die Bewegung des Leitsterns deutlich sichtbar. Die Befestigung des Leitrohrs muß sehr stabil sein, es darf sich in keinem Fall gegenüber dem fotografischen Teleskop bewegen, sonst wird fälschlicherweise nachkorrigiert. Als Alternative kann das Leitrohr auch auf der Gegengewichtsstange der Montierung befestigt werden, wodurch jedoch der Abstand zwischen den beiden Teleskopen vergrößert wird, und mögliche Verstellungen/Verbiegungen können schneller auftreten. Das Befestigen des Leitrohrs sollte immer nur als Notlösung genutzt werden, bei Gewichtsproblemen (Fluggepäck!) könnte beispielsweise das Leitrohr auch als Gegengewicht eingesetzt werden. Vorsicht ist bei manchen Montierungen geboten, wo bei Bewegungen des Fernrohrs in der Deklination die Gegengewichtsstange nicht mitgedreht wird, ebenso sollte auch bei anschraubbaren Gegengewichtsstangen auf festen Halt geachtet werden muß. Solche Montierungen sind nicht oder nur eingeschränkt zur Befestigung des Leitrohrs auf der Gegengewichtsstange geeignet.
Eine weitere sehr verbreitete Möglichkeit ist das Ansetzen eines sogenannten Off-Axis-Guiders zwischen Hauptoptik und Kamera. Durch ein kleines Prisma am Bildrand wird ein Stern seitlich rausgelenkt und kann mit einem Fadenkreuzokular verfolgt werden. Nachteilig ist das sehr kleine Gesichtsfeld, welches durch das kleine Prisma eingeschränkt wird. Manche Off-Axis-Guider können Prisma und Okular um etwa 120 Grad um die optische Achse des Teleskops schwenken, um mehr Leitsterne zur Auswahl zu haben, aber trotzdem ist oft die Auswahl ausreichend heller Sterne erschütternd gering. Da der Off-Axis-Guider auch ein paar Zentimeter Lichtweg benötigt, kann er nicht an allen Teleskopen eingesetzt werden, manche Newton-Teleskope sind so knapp bemessen, daß ein Anbringen eines Off-Axis-Guiders mit einigen Umbauaktionen des Fernrohrs verbunden ist oder gar nicht ermöglicht wird.


Off-Axis-Guider mit Fadenkreuzokular zwischen Fernrohr und Kamera

Die Nachführbrennweite, egal ob mit Leitrohr oder Off-Axis-Guider, sollte mindestens der fotografischen Brennweite oder mehr entsprechen, um auch die erforderliche Nachführgenauigkeit zu gewährleisten.

Leitrohr und Off-Axis-Guider im Vergleich:
Off-Axis-Guider: Leitrohr:
- Geringes Gewicht - Viel zusätzliches Gewicht, Belastung der Montierung
- Nutzt die volle Öffnung des Fernrohrs  - Leitrohre haben oft nur geringe Öffnung
- eingeschränkte Leitsternauswahl - größere Bewegungsfreiheit, daher mehr Leitsterne
- Prisma kann Abschattungen erzeugen - zusätzliches Fernrohr
- zusätzlicher Lichtweg erforderlich - stabile Verbindung Leitrohr/Astrokamera erforderlich

Ob jemand mit einem Off-Axis-Guider oder einem Leitrohr arbeiten möchte, muß jeder für sich selbst entscheiden. Die Vor- und Nachteile der beiden Systeme halten sich in etwa die Waage.
 

Aufnahmeverfahren:
Sie möchten eine der wenigen Neumondnächte mit wolkenfreiem Himmel nutzen und fahren zu ihrem dunklen Beobachtungsplatz. Bei Ihrer Ankunft ist es kurz vor Sonnenuntergang, und Sie können noch in aller Ruhe und ohne Hast währende der langsam einsetzenden Dämmerung die Ausrüstung aufbauen. Als erstes holen Sie das Fernrohr aus dem warmen Auto, damit es sich langsam auf die Umgebungstemperatur abkühlen kann. Sie bauen die Montierung auf, verkabeln alles und befestigen Fernrohr und Leitrohr. Es wird langsam dunkel, und der Film wird in die Kamera eingelegt. Anschließend wird die Montierung eingenordet, was durch den Polsucher eine Sache von wenigen Minuten ist. Die Kamera wird am Teleskop befestigt, an einem hellen Stern fokussieren Sie grob und richten das Sucherfernrohr auf die Aufnahmeoptik aus. Ein mittelheller Stern wird dann auf der Mattscheibe eingestellt, und Sie fokussieren die Kamera. Inzwischen hat sich die Optik der Umgebungstemperatur angeglichen. Anschließend richten Sie das Teleskop auf das zu fotografierende Objekt aus. Im Leitrohr wird ein Leitstern in die Mitte des Fadenkreuzes gebracht, nochmals schauen sie im Kamerasucher nach der richtigen Lage des Objektes. Nun halten sie einen Hut vor die Öffnung der Hauptoptik und lösen den Verschluß. Zum letzten Mal kontrollieren Sie die einwandfreie Lage des Leitsterns im Leitrohr, gegebenenfalls korrigieren sie ein wenig nach. Dann nehmen Sie den Hut vor der Öffnung weg, die Belichtung beginnt. Während der Aufnahme beobachten Sie die Position des Leitsterns im Fadenkreuz, er darf sich von seiner Position nicht wegbewegen. Versucht er es trotzdem, korrigieren sie mit der Steuerungselektronik des Motorantriebs entsprechend nach. Am Ende der Belichtung halten sie erneut den Hut vor die Teleskopöffnung und beenden die Belichtung.
Hierbei wird auch deutlich, daß bei Benutzung eines Off-Axis-Guiders der Leitstern beim Zuhalten der Aufnahmeoptik verschwindet. Hier muß die Zeit zwischen der letzte Korrektur der Sternposition und dem Auslösen des Kameraverschlusses möglichst gering gehalten werden. Wegen der oftmals langen Belichtungszeiten sollte immer der gleiche Beobachtungsplatz genutzt werden, um möglichst konstante Bedingungen zu haben. Bei Änderung eines Parameters (Fernrohr, Standort oder Film) muß eine neue Belichtungsserie angefertigt werden, später wird pro Objekt nur noch eine Aufnahme angefertigt.
 

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